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17.04.2009 - Winterschäden und Fischkrankheiten

  Liebe Angelfreunde
Was man weiß, was man als guter Angler wissen sollte. Eine kleine Hilfe für alle Hobbybiologen und angehenden Tierärzte:
Fischsterben durch Sauerstoffmangel unter Eis W. 

Hallo liebe Fischersfreunde,

alarmiert durch Anrufe von besorgten Gewässerwarten, die akuten

Sauerstoffmangel in ihren stehenden Gewässern befürchten, ja schon tote oder

hochgradig unter Atemnot leidende Fische ausgemacht haben, schreibe ich

Ihnen diesen Rundbrief in der Hoffnung, dass er Ihnen helfen möge, sofern Sie

betroffen sein sollten.

Tiefe, große Seen sind in der Regel weniger problematisch: Das große

Wasservolumen stellt genügend Sauerstoff bereit, um die biologischen

Abbauprozesse und die Atemtätigkeit von Fischen, Krebsen, Würmern und

Muscheln zu sichern. Flache Seen dagegen, die oft nur wenige Meter tief sind,

haben ein vergleichsweise geringes Wasservolumen und damit auch geringere

Sauerstoffvorräte. Und wenn der Winter lange dauert, das Gewässer lange

zugefroren ist, kann schon mal der Sauerstoff knapp werden. Dazu kommt, dass

auch Kohlendioxid und andere, auch schädliche Gase, nicht entweichen können,

so dass den Fischen in doppeltem Sinne das Leben schwergemacht wird: Zum

einen leiden sie an Sauerstoffmangel, zum anderen führen schädliche Gase zu

Vergiftungserscheinungen oder verändern andere wichtige Wasserparameter,

z.B. den pH-Wert. Dazu zwei Zahlen: Unter reiner Sauerstoffatmosphäre lösen

sich gerade mal knapp 70 mg/l Sauerstoff, unter reiner Kohlendioxidatmosphäre

lösen sich aber 3.350 mg/l Kohlendioxid, und ein Teil davon liegt immer als

Kohlensäure vor. Glücklicherweise wird beim Eintrag von Sauerstoff durch

mechanische Belüftung gleichzeitig meist ein Überangebot von Kohlendioxid

ausgetrieben, so dass man zwei Fliegen mit einer Klappe trifft.

1. So geht es nicht:

In Fischereikreisen kursieren die abenteuerlichsten Vorstellungen darüber, wie

man in zugefrorene Seen Sauerstoff eintragen kann. Da gibt es z.B. den

Vorschlag, ein Bündel Schilf aufrecht in ein ins Eis geschlagenes Loch zu

stellen; das soll den bedrohten Fischen Sauerstoff zuführen, gleichzeitig

Faulgase ableiten! Mit dieser Methode sind schon viele Fische umgebracht

worden. Vielleicht hält sich diese Methode deshalb so hartnäckig! Spaß beiseite:

Solange das Loch offen ist, kann sicher dort anfallendes Faulgas (auch:

Kohlendioxid) entweichen, vielleicht sogar etwas Sauerstoff ins Wasser

eindiffundieren. Doch gelöst ist mit der Methode keines der Probleme, weil das

kleine Loch gleich wieder zufriert, und die Sache hat sich.

2. So ist es gefährlich, u. U. sogar schädlich:

Vor einigen hundert Jahren, zu Beginn meiner Tätigkeit in der Fischerei, haben

wir das Problem mit Axt und Feuerwehr „gelöst“: Wir schlugen einige

Eislöcher, und mit kräftigem Strahl wurde das angesaugte Wasser in hohem

Bogen in die Luft, auf das Eis oder direkt in den See zurückgespritzt.

Die Axt: Die kräftigen Schläge haben die Fische aus ihrer Winterruhe

aufgeschreckt, ihren Stoffwechsel angekurbelt, die Atmung intensiviert. Das

Ergebnis waren höherer Energie- und höherer Sauerstoffverbrauch, und im

Frühjahr gab es dann das damals für uns zusammenhangslos unerklärbare,

rätselhafte Karpfensterben. Schlittschuhläufer und Eisfeste können das gleiche

Ergebnis bringen. Heute weiß man, dass solche Ereignisse den Energiehaushalt

der Fische enorm belasten, und im folgenden Frühjahr gehen sie dann oft

symptomlos ein, wenn ihnen die Energie fehlt, die sie zur Kompensation der mit

schnell steigenden Temperaturen verbundenen Stresssituationen brauchen (siehe

Schreckenbach). Wenn Sie nachempfinden wollen, wie sich Axthiebe auf Eis

auf die Fische auswirken, dann können Sie folgenden Versuch machen: Strecken

Sie ihren Kopf in der Badewanne unter Wasser, bitten Sie Ihre Frau, mit der

flachen Hand aufs Wasser zu schlagen, und sie werden überrascht sein, wie sich

das anhört! Und die von der flachen Hand erzeugte Druckwelle ist noch kein

Vergleich mit der Wirkung der Axt, die sogar über große Entfernungen die

Fische trifft!

Die Feuerwehr: Wasser, das in die kalte Winterluft versprüht wird, nimmt sicher

Sauerstoff auf, gibt Kohlendioxid ab. Aber es wird auch kälter! Wenn es dann

über die Eisfläche rinnt oder direkt dorthin versprüht wird, kann es so kalt

werden, dass die Temperatur zum Problem wird. Dazu kommt, dass mit

kräftigem Strahl direkt ins Wasser Schlamm aufgewirbelt werden kann, was die

Situation für die Fische (und andere Wassertiere) nochmals verschlimmert.

3. So ist es richtig:

Die Natur hilft uns: Solange das Eis durchsichtig ist, also das Sonnenlicht durch

das Eis hindurch ins Wasser einfallen kann, solange gibt es dort i. d. R. keine

Probleme. Die Algen und andere Wasserpflanzen betreiben dann auch unter Eis

Photosynthese und reichern so das Wasser mit Sauerstoff an. Nur wenn das Eis

schneebedeckt und / oder milchig trüb ist, also das Licht abhält, ist die

Sauerstoffproduktion (und gleichzeitig der Kohlendioxidverbrauch) gestoppt,

und es kann zu kritischen Situationen kommen. Ein Versuch brachte mir

eindeutige Ergebnisse:

Meine drei nebeneinanderliegenden Weiher waren damals mit einer ca. 20 cm

dicken Eisdecke zugefroren. In Weiher l waren keine, in Weiher 2 und 3 je ca. 5

Zentner Fische gehältert. Etwa zur Jahreswende waren die Sauerstoffwerte

durchweg auf 3-4 mg/l gefallen. Daraufhin wurden Weiher 2 und 3 etwa auf der

halben Fläche vom Schnee befreit, Weiher 1 aber wurde zugeschneit (also im

Wasser dunkel) belassen. Nach weiteren 2 Wochen lagen die Werte von Weiher

2 und 3 bei 5 mg, nach 3 Wochen sogar bei 6 mg/l; der zugeschneite Weiher 1

aber war bei einem Sauerstoffgehalt von Null angelangt. Wären dort Fische

gewesen, wären sie alle erstickt. So kann mit wenig Aufwand (ein paar Stunden

Schneeschippen) das Sauerstoffproblem gelöst werden.

Wenn Sie Schlittschuhläufer abhalten wollen: Schippen Sie die Eisfläche blank,

streuen Sie einige Eimer nassen Splitt auf die freie Eisfläche, der friert fest

(kann also nicht mehr abgekehrt werden) und das Problem ist gelöst.

Wenn das Eis mit zahlreichen kleinen Luftblasen versetzt weiß erscheint (auch:

gefrorener Schnee), dann ist der Lichteinfall eingeschränkt. In solchen Fällen

kann man mit einer Säge größere Schollen herausschneiden und unter die

benachbarte Eisdecke schieben. Das Wasser friert dann zwar erneut zu, aber das

neue Eis ist kristallklar, das Licht kann hindurch und die Photosynthese (sprich:

Sauerstoffproduktion + Kohlendioxidverbrauch) ankurbeln (damit niemand auf

den erst dünnen Eisschichten zu Schaden kommt bitte an Vorsichtsmaßnahmen

denken!).

Wie man speziell mit gefährdeten Baggerseen umgehen kann, dazu später mehr.

4. Das ist notwendig:

Damit Sie erkennen können, wie groß die Gefahr für Ihre Fischbestände ist,

müssen jetzt regelmäßige Messungen sein. Am einfachsten geht das natürlich

mit gut gewarteten elektrischen Messgeräten, deren Sonden man in die

gewünschten Tiefen versenken kann; aber auch die „Tröpfchenmethode“ ist

meist sehr zuverlässig und hat sogar den Vorteil, nicht von möglichen

Eichfehlern behaftet zu sein. Wo und wie man in solchen Fällen die Proben

fachgerecht entnimmt und keine Messfehler produziert (und welche Werte als

kritisch einzustufen sind) ist in „Gewässergüte bestimmen und beurteilen“, 4.

Auflage, Verlagsgesellschaft Fisch und Umwelt, Stuttgart, (24 ?) differenziert

beschrieben.

Der VDSF bietet das Kompaktlabor für alle gängigen Parameter (incl.

Sauerstoff) an, aber auch einzelne Sätze (z.B. Sauerstoff) sind getrennt

erhältlich. Und aus einem reichhaltigen und qualifizierten Angebot an

elektrischen Geräten und Zubehör können Sie das auswählen, was Sie vor Ort

brauchen (z.B. verschiedene Kabellängen). Unter „vdsf-gmbh@t-online.de„

können Sie entweder bestellen oder Prospektmaterial anfordern. Herr Schwab

schickt Ihnen dann gerne alles zu.

In der Hoffnung, dass Sie zusammen mit Ihren Fischbeständen den Rest des

Winters gut überstehen grüße ich Sie ganz herzlich!

Werner Baur




http://www.jameros.de/fischkrankheiten.htm



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