
Rätsel um verschwundene Fische: Die Mitglieder suchen nach Antworten
Emmerichenhain. Am Vereinsgewässer des ASV Nistertal‑Emmerichenhain herrscht seit Wochen eine ungewöhnliche Mischung aus Ratlosigkeit, Sorge und einer gehörigen Portion Galgenhumor. Was zunächst wie ein harmloses Phänomen begann, entwickelte sich rasch zu einer der kuriosesten Geschichten, die der Verein seit Jahren erlebt hat: Die Fische sind weg – und zwar fast alle.
Leere Fangbücher und viele Fragezeichen
„So etwas habe ich in 30 Jahren Vereinszugehörigkeit nicht erlebt“, sagt ein langjähriges Mitglied, das mit verschränkten Armen am Ufer steht und auf die spiegelglatte Wasseroberfläche blickt. Tatsächlich: Die üblichen Fänge bleiben aus. Köder werden nicht einmal mehr neugierig beschnuppert. Die Fangbücher der letzten Wochen gleichen einer Wüste.
In der kleinen Anglerszene hat sich die Nachricht vom rätselhaften Fischschwund schnell verbreitet. Zwischen ernsten Diskussionen über Wasserqualität und möglichen Parasiten tauchten jedoch bald Theorien auf, die eher in die Kategorie „schwer zu glauben“ fallen – aber umso mehr für Gesprächsstoff sorgen.
Verdacht Nummer eins: Eine Biberfamilie mit ungewöhnlichem Geschmack

Für die überraschendste Theorie sorgte eine Gruppe von Vereinsmitgliedern, die sich selbst augenzwinkernd „Feldforschungsteam“ nennt. Sie sind überzeugt, die Ursache gefunden zu haben: Eine neu angesiedelte Biberfamilie soll sich nicht mehr mit Weidenrinde zufriedengeben, sondern zu passionierten Fischjägern mutiert sein.
Laut ihren Beobachtungen sollen die Tiere:
- Unterwasser-Reusen aus Ästen gebaut haben, um Fische gezielt zu fangen.
- Ein junger Biber sei dabei gesehen worden, wie er einen Karpfen mit dem Schwanz betäubte.
- Erste „Beißspurenanalysen“ hätten ergeben, dass Rotaugen als knackiger Snack gelten, während die deutlich schwereren Karpfen „für besondere Momente“ auf dem Speiseplan stünden.

Biologisch ist das, vorsichtig formuliert, eher unwahrscheinlich. Doch der Enthusiasmus, mit dem die Theorie im Vereinsheim diskutiert wird, ist so groß, dass nüchterne Sachargumente kaum noch Beachtung finden.
„Wenn die Biber so weitermachen, müssen wir ihnen bald Fangquoten einführen“, witzelt ein Angler bei einer Tasse Kaffee und sorgt damit für schallendes Gelächter.
Theorie Nummer zwei: Ein Zeitportal im Schlamm
Mindestens genauso kreativ, wenn auch wissenschaftlich noch schwerer einzuordnen, ist die zweite große Theorie, die derzeit kursiert. Ein Vereinsmitglied, das gerne in physikalischen Dimensionen denkt, ist überzeugt: Im Schlamm hat sich ein Zeitportal geöffnet, das die Fische kurzerhand in eine andere Epoche befördert hat.

Zumindest, so sagt er, würden damit mehrere Phänomene logisch erklärt:
- Warum plötzlich ganze Fischschwärme fehlen.
- Warum in manchen Jahren alte, längst bekannte Karpfen wieder auftauchen, „als wären sie aus einer anderen Zeit zurückgekehrt“.
- Und warum Angler seit Jahren behaupten: „Früher war mehr Fisch!“ – was dann, streng genommen, endlich sogar stimmen würde.
In einem besonders schillernden Gedankenspiel vermutet der Theoretiker, dass der komplette Schwarm derzeit in einem Gartenteich der Nachbarschaft schwimmt – selbstverständlich völlig ahnungslos, was geschehen ist.
Zwischen Besorgnis und Humor
Ob Biber mit Spezialfähigkeiten oder dimensionsspringende Karpfen – fest steht: Die Mitglieder des ASV lassen sich ihren Humor nicht nehmen. Gleichzeitig bleibt das Verschwinden der Fische ein Thema, das ernsthaft beschäftigt. Der Verein hat angekündigt, die Lage weiter zu beobachten. Ein Gewässerbiologe soll hinzugezogen werden, um die tatsächlichen Ursachen zu prüfen.

Doch bevor die Ermittlungen richtig aufgenommen werden, kursiert im Vereinsheim schon ein weiterer Hinweis, der zur Lösung beitragen könnte: Das Datum.
Denn die spektakulärsten Beobachtungen, Theorien und „Beweisfotos“ entstanden – wie sich nach und nach herausstellte – genau um jene Zeit, in der die Menschen traditionell besonders kreativ werden: rund um den 1. April.
Ein Rätsel löst sich auf
Mit einem breiten Grinsen bestätigt ein Vorstandsmitglied schließlich, was viele bereits ahnten: „Natürlich nehmen wir das Thema Gewässerschutz ernst. Aber ein bisschen Spaß muss sein.“ Der ganze Wirbel sei Teil des diesjährigen Aprilscherzes gewesen – liebevoll vorbereitet, detailreich ausgeschmückt und mit enormem Erfolg.
„Wir wollten einfach mal wieder etwas Leichtigkeit in den Vereinsalltag bringen“, erklärt er. „Und wenn man sieht, wie viele Leute mitgeraten haben, hat sich der Aufwand gelohnt.“
Humor als verbindendes Element
Am Ende bleibt ein Augenzwinkern – und ein starkes Gemeinschaftsgefühl. Die Mitglieder des ASV Nistertal‑Emmerichenhain haben gezeigt, dass sie nicht nur mit Rute und Kescher umgehen können, sondern auch mit Humor und Kreativität.
Und die Fische? Die schwimmen natürlich noch da. Sie beißen nur momentan ein bisschen schlechter – aber das haben sie schon immer gern getan.
Euer Rolf